Geistlicher Impuls im März 2024

Liebe Kolpingschwestern und Kolpingbrüder!
Der heilige Josef ist einer der populärsten Heiligen. Aber auch eine biblische Gestalt, von der wir gar nicht soviel wissen. Offenbar hatte er ein intensives Seelenleben; Träume haben ihm den Weg gewiesen – ein Träumer? Bestimmt kein Träumer mit romantischen Geschichten, viel eher ein Visionär. Einer, der ohne viel zu reden, anpacken konnte. Und bei genauerem Hinsehen finden wir uns in diesem Josef wieder.
Ich habe mir Gedanken gemacht, was der hl. Josef wohl selbst über sich erzählen könnte:
 
Hallo, ich bin Josef …
Seid gegrüßt – ich bin Josef. Ihr seht einen Heiligen in mir, oftmals nur eine biblische Gestalt. Aber ich war ein Mensch aus Fleisch und Blut; ebenso wie ihr. Ich war schon auch ein Kind meiner Zeit; damit will ich sagen: Ich war geprägt von den Traditionen, den Gebräuchen und Lebensgewohnheiten meines jüdischen Volkes. Natürlich kannte ich die jahrhundertealten Prophezeiungen der Propheten … z.B. steht beim Propheten Jesaja: „Siehe, die Jungfrau hat empfangen, sie gebiert einen Sohn und wird ihm den Namen Immanuel geben.“ Heil, Freiheit, Königtum für Israel verband mein Volk mit diesen Heilszusagen – aber, wie schon gesagt, jahrhundertealt.
Für mich war anderes wichtig. Ich war mit einer jungen Frau verlobt, die Hochzeit stand bevor. Welch ein Schlag – meine Welt brach für mich zusammen: Maria erwartete ein Kind, das nicht von mir sein konnte! Hatte sie mich betrogen … das konnte ich nicht glauben … und doch, gab es eine andere Erklärung? Wenn das herausgekommen wäre – unvorstellbar. Nach unseren Gesetzen hätte man Maria vor die Mauern der Stadt getrieben und hätte Mutter und Kind gesteinigt. GESTEINIGT – den Menschen, den ich so sehr liebte; nein, das durfte ich nicht zulassen. Also fasste ich einen für mich sehr schweren Entschluss. In aller Stille wollte ich mich von Maria trennen. Das Leben von Maria und ihrem Kind wäre in unserer Gesellschaft ohnehin schwer genug geworden.
Träume sind Schäume – so ist eine eurer Weisheiten. Für mich waren Träume viel mehr. Gott tat seinen Willen kund! Einen Engel hat er mir geschickt. Die Prophezeiungen des Jesaja sollten sich endlich erfüllen – aber, musste ausgerechnet ich dabei eine Hauptrolle übernehmen. Es war Gottes Wille! Mehrfach wies Gott mir den rechten Weg durch Träume. Es war meine Berufung, mich in den Heilsplan Gottes einzufügen. Nicht selten ist der Wille Gottes und der menschliche Wille zweierlei, wenn nicht sogar vielerlei. Das heißt: Wer sich dem Willen Gottes anvertraut, den stellt er auf unvorhersehbare Wege. Gott geht die Wege mit, wir gehen an seiner Hand!
Sein Name wird Immanuel sein – denkt daran, wenn ihr Weihnachten feiert; oder im März meinen Gedenktag begeht. Sein Name bedeutet: Ich bin mit euch!
Lasst mich schließen, wie auch das Neue Testament schließt:

 
Er, der dies bezeugt, spricht: Ja, ich komme bald. – Amen. Komm, Herr Jesus! Die Gnade des Herrn Jesus sei mit allen!
 
 
 
Seid herzlich gegrüßt
Josef
 
 
Bernhard Bauer, Regionalpräses
                                                                                                                         
 
 
Figur des hl. Josef im Pfarrsaal von St. Josef, Freiburg. Foto: Bernhard Bauer, Diakon