Geistlicher Impuls im Mai 2024

Lob

Loben ist ja schon schwer, ein Lob anzunehmen, das scheint aber noch viel schwerer zu sein. Sag einem Mann, dass er eine schöne Krawatte hat – und es gibt ja wirklich schöne – und du erlebst komische Dinge. Nur ganz wenige freuen sich und sagen „Danke“ oder „finde ich auch“. Die meisten machen das Lob klein. „Die war ganz billig“ oder „die hat meine Frau ausgesucht“ – davon wird sie allerdings nicht hässlicher. Manche gucken entsetzt auf die Krawatte und könnte ich Gedanken lesen, wäre das wahrscheinlich etwas wie „oh Gott, hab ich etwa lila zu braun angezogen?“.
 
Genauso ist es, wenn ich eine positive Rückmeldung zu einem Verhalten gebe „Das war richtig gut, wie du das gemacht hast!“. Auch das wird oft klein gemacht als „Selbstverständlichkeit“. Natürlich ist mir vieles selbstverständlich, was andere besonders gut finden oder was ihnen gut tut. Eine positive Rückmeldung ist aber trotzdem wichtig, um mich daran zu erinnern, es weiter zu tun.
 
Immer wieder schreibe ich hier und sage an anderer Stelle, dass wir alle Gottes geliebte Kinder sind, gewollt mit unseren Stärken und Schwächen. Leider schauen wir oft nur auf die Schwächen. Unsere Stärken geraten aus dem Blickfeld. Darum ist Lob ja so wichtig.
 
Nur: wenn das Lob klein gemacht wird, dann mag ich bald das Positive nicht mehr sagen. Es kostet nämlich etwas zu loben. Ich muss mich überwinden. Wenn es etwas Negatives gibt, dann hab ich keine Wahl: das muss ich ansprechen, weil es anders werden muss. Wenn etwas richtig gut läuft, dann heißt es oft „Nix gesagt, ist genug gelobt!“ – NEIN!
 
Wir sollen das Gute bemerken, wahrnehmen und darüber reden. Wir sollen uns sagen, was wir gut machen, was wir aneinander schätzen – wenigstens ab und zu, eigentlich wirklich viel öfter. Denn ein Lob tut gut, weil es uns zeigt, dass wir gesehen werden, dass unsere Arbeit geschätzt wird. Und: ein Lob erhält das Gute, weil es nicht zur Selbstverständlichkeit oder sogar zum Standard wird.
 
Wir tun uns leicht mit dem Lob Gottes für seine großen Taten, wir sollten uns auch leichter tun mit dem Lob seiner Geschöpfe sogar für ihre kleinen Taten und wir sollten uns über ein Lob freuen. Ein echtes Lob ist ein Geschenk ohne Bedingungen (alles andere ist ein Deal oder Schmeichelei), weil es zeigt, dass wir etwas gut gemacht haben und eine andere hat’s gemerkt! Das ist doch wirklich super.
 
 Text: Andrea Ludwig