Geistlicher Impuls im Juni 2024

Kürzlich habe ich im Radio (leider nur noch) den Schluss eines Streitgesprächs angehört. 
 
Die Moderation sagte zu den beiden Kontrahenten: Und nun am Ende die Frage, die ich an dieser Stelle immer stelle: „Welches Argument ihres Gegenübers werden sie mitnehmen aus diesem Gespräch und noch einmal bedenken“? Leider antworteten beide Beteiligten: keines.
Schade, dachte ich.
 
Ich finde, es wäre doch gerade heute, wo öffentliche Diskussionen so hitzig geführt werden, gut und wichtig, dass wir bereit sind, einander zuzuhören und die Argumente des Gegenübers ernst zu nehmen und zu bedenken. Wenn uns das nicht mehr gelingt, sind eigentlich kein Dialog und kein gutes Miteinander mehr möglich. 
Leider habe ich tatsächlich den Eindruck, dass wir immer weniger bereit sind, einander wirklich versuchen zu verstehen. Wir sind oft so schnell mit unserem Urteil über den anderen, wissen eh schon alles, beharren auf unserer Meinung und lassen sie nur ungern in Frage stellen. 
 
Im letzten Monat war Pfingsten – das Fest des Heiligen Geistes und: das Fest der gelungenen Kommunikation. 
„Und alle wurden vom Heiligen Geist erfüllt und begannen, in anderen Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab. 5 In Jerusalem aber wohnten Juden, fromme Männer aus allen Völkern unter dem Himmel. 6 Als sich das Getöse erhob, strömte die Menge zusammen und war ganz bestürzt; denn jeder hörte sie in seiner Sprache reden.“ 
So lesen wir in der Apostelgeschichte. 
 
Da sind fremde Menschen, die einander verstehen – mit den Ohren und wahrscheinlich auch mit ihrem Herzen. 
Vielleicht kann uns das Pfingstfest in diesem Jahr dazu inspirieren, ganz bewusst darauf achten, wie wir kommunizieren und ob wir einander wirklich zuhören?
„Wenn du redest, wiederholst du nur, was du schon weißt“, sagt der Dalai Lama.„Aber wenn du zuhörst, lernst du vielleicht etwas Neues.“
 
(Stefanie Eisele, Kolpingsfamilie Ettenheim, Pastoralreferentin SE Rust, geistl. Leitung KLFB)