Geistlicher Impuls im Juli 2024

Kostbare Momente

Quelle: Martin Müller

Etwas erschöpft setze ich mich auf einen großen Stein und strecke meine Beine lang. Die Pause tut mir gut! Aus meinem Rucksack krame ich meinen Proviant hervor und trinke Wasser. Vor mir ein atemberaubender Anblick: Der gewaltige Bergsee mit seinem türkisfarbenen Wasser versprüht seinen ganzen Charme. Die Gräser am Wegrand wiegen sich im Wind, neben mir zirpt eine Grille.
 
Auf der gegenüberliegenden Seite des Sees Wanderer, die ich über die große Entfernung kaum erkennen kann. Auf meiner Haut wärmende Sonnenstrahlen und über mir ein herrliches Wolkenspiel! Ich empfinde Glück, hier auf diesem schönen Fleckchen Erde zu sein. Von weitem höre ich Kuhglockengebimmel. Die Kühe haben sich auf den Hängen verteilt.
 
Seit langem fühle ich mich wieder ausgeglichen. Auftanken und die Seele baumeln lassen, ausruhen, Steine sammeln, die Farben der Blumen aufsaugen ... alles ohne Zeitdruck genießen.
 
Und weiter geht die Wanderung. Unten am Ufer des Sees ragt ein einzelner großer Nadelbaum majestätisch in die Höhe. Am Wegesrand blühen vereinzelt Silberdisteln und Glockenblumen. Nackte Geröllfelder wechseln sich mit bewachsenen grünen Felsen und Berghängen ab. Der Abstieg fordert mich.
 
Wir grüßen einzelne entgegenkommende Wanderer. Eine Erfahrung, die ich in den Bergen immer wieder mache: Wanderer sind sich freundlich gestimmt. Hier oben glaube ich nicht an Böses. Es scheint, als ob hier nur Freundlichkeit und Respekt vor jeder Art von Leben herrscht.
 

Quelle: Martin Müller

Im Weitergehen freue ich mich schon auf die Holzbank am Ende des Sees, auf der wir in den letzten Jahren schon ein paar Mal saßen und die noch einmal einen überwältigenden Blick auf den majestätischen See bietet. Die Bank wird gerade frei, als wir dort eintreffen. Noch einmal den glitzernden See, die Berge und Momente der Stille genießen und die Ruhe, die mich hier oben unweigerlich überkommt.
 
Schließlich gehen wir über die Krone der Staumauer hinüber in Richtung Café. Der plötzlich aufkommende starke Wind peitscht uns um die Ohren. Mit ausgebreiteten Armen stelle ich mich ihm für einen Augenblick entgegen – und danke Gott: „Das Leben ist so kostbar und schön!“
 
Ulrike Müller
 

Kolpingsfamilie Bühl