Geistlicher Impuls im September 2024

Wo hast du in den letzten Tagen Gott gespürt?

Bild vom Loch Linsh
Im Urlaub sind wir durch Schottland gefahren. Wir können aufs Dach unseres Geschäftsautos ein Zelt montieren und in Schottland darf man auf vielen Parkplätzen kostenfrei übernachten. So übernachteten wir an einem Abend in der Nähe einer kleinen Kirche, mitten im Wald, oberhalb eines kleinen Sees, Loch Linsh. Der Vorraum der Kirche war geöffnet und sehr einladend gestaltet. Ein kleines Bücherregal mit Büchern zum Mitnehmen, kleine Flyer zu diversen Lebensfragen, ein kleiner Baum, an dem man farbige Bänder mit Bitten, Dank, … etc. befestigen konnte und die Einladung zum Gottesdienst für den nächsten Morgen, gleich mit dem Hinweis, wo man als Hörgeräteträger am besten sitzt, wo die Heizung auf Rollstuhlfahrer ausgerichtet ist, wo man den Wickelraum findet, … Ich war beeindruckt und wir beschlossen, den Gottesdienst am nächsten Morgen zu besuchen. Auf dem nahegelegenen Friedhof kamen wir noch mit einem Mann ins Gespräch, der es sich zur Aufgabe gemacht hatte, die alten Gräber zu pflegen, und uns erzählte, dass am nächsten Tag wohl der letzte Gottesdienst in der Kirche sei, da Edinburgh beschlossen hätte, diese Kirche zu schließen. Unten am See stand eine kleine Bank, von der aus wir  den Sonnenuntergang hinter den Hügeln genossen. Ich war ergriffen, von der Friedlichkeit dieses Ortes.
 
Am nächsten Morgen gingen wir zur Kirche. Wir wurden wärmstens empfangen, per Handschlag begrüßt, und auch die Kirche war gut geheizt. Zu Beginn stellte der Gottesdienstleiter die Frage: Wo hast du in den letzten Tagen Gott gespürt? Diese Frage beschäftigte mich. 
 
 
Von ca. 50 Gottesdienstbesuchern spielten 9 in der Band und begleiteten die gesungenen Lieder, immer mindestens 3 hintereinander mit sehr eingängigen Melodien. Der Text wurde mittels Beamer an die Wand projiziert. Eine Kamera übertrug den Gottesdienst zu den Menschen nach Hause, die nicht persönlich kommen konnten. In der Predigt sprach der Leiter immer wieder Teilnehmende direkt mit Vornamen an, auch wir wurden immer wieder einbezogen und angesprochen, ich habe mich in dieser fremden Gemeinde aufgenommen und wertgeschätzt gefühlt. Zum Friedensgruß kamen sehr viele Gemeindemitglieder zu uns und sprachen uns den Frieden zu. Spannend wurde es zum Zeitpunkt der Eucharistiefeier. Toastbrot und Traubensaft wurde ohne Wandlung verteilt, das gemeinsame Mahl stand im Vordergrund.
 
Nach dem Gottesdienst wurden wir zu Kaffee und Kuchen und zur Gemeindeversammlung eingeladen, in der es darum ging, evtl. den Dorfladen zu übernehmen (der geschlossen werden sollte), um den älteren Gemeindemitgliedern die Einkaufsmöglichkeit zu erhalten. Ich konnte von einem Projekt in unserem Nachbardorf berichten, wo der Dorfladen genossenschaftlich organisiert wird. Wir fuhren mit einem warmen Glücksgefühl im Bauch weiter. Am Zaun vom Gemeindezentrum flatterten viele bunte Bänder.
 
 
Text von Simone Schroeter
Geistliche Leiterin 
Diözesanverband Freiburg