Geistlicher Impuls im August
„Er heilt die Wunden der ganzen Schöpfung…“
Regelmäßig bin ich zu Exerzitien in Leipzig bei Ordensmann und Priester Andreas Knapp. Ich wohne mit seiner Gemeinschaft der „Kleinen Brüder vom Evangelium“ nach Charles de Foucauld in einer Plattenbausiedlung am Stadtrand, bin dort in einem kleinen Zimmer mit Kochzeile Selbstversorger, nehme an den Gebetszeiten der Brüder teil und habe täglich ein Gespräch mit meinem geistlichen Begleiter. Eine wunderbare Art, zur inneren Ruhe zu kommen und wieder meinen Blick für das Wesentliche zu schärfen!
Sehr prägend für meine Zeit dort ist auch der hier abgebildete, wunderschöne Kulkwitzer See. Täglich verbringe ich lange Zeit am und auch im See. Er hat eine ganz besondere Geschichte: Früher, zu DDR-Zeiten, war hier ein großes Braunkohlerevier. Noch vor der Wende entschied man, diese Grube „aufzulassen“ und zu fluten – und daraus entstand dieses wunderbare Naherholungsgebiet für die Menschen im Leipziger Westen.
Ich habe mir das in meinen stillen Zeiten und Meditationen am See immer sehr bildhaft vorgestellt: Man kann eine Landschaft kaum schlimmer verwunden und verwüsten als durch den Braunkohletagebau. Und genau diese Wunde hat man fruchtbar gemacht, so dass sie zum Segen für die Menschen dort und auch für mich geworden ist.
Aus Brüchen und Verwundungen kann auch Segen werden
„Er heilt die Wunden der ganzen Schöpfung“, so heißt es in einer Weihnachtspräfation im Messbuch. An diesen Vers musste ich oft denken, wenn ich am See saß – dass oft die Brüche und Verwundungen des Lebens der Ort sind, an dem Neues entsteht und „aufbricht“ – und dass daraus Segen werden kann. Das muss nicht so sein, es gibt keine Garantie, aber dafür hat mir der Kulkwitzer See Mut gemacht: daran zu glauben und zu vertrauen, dass auch aus meinen Brüchen und Wunden Segen werden kann für mich und andere.
Und noch ein Aspekt, der für mich gut zu unserem Vater Adolph Kolping passt: „Er heilt die Wunden der ganzen Schöpfung“ – damit ist zunächst Gott gemeint. Aber der Kulkwitzer See ist nicht von alleine aus einer Braunkohlegrube entstanden, sondern weil Menschen intensiv dafür geplant und gearbeitet haben – und doch konnten Sie es nicht „machen“, dass der See genau so und so schön geworden ist! „Schön reden tut’s nicht, die Tat ziert den Mann!“ (und natürlich auch die Frau!), so sagt Adolph Kolping. Segen entsteht dann, wenn Menschen handeln und sich für das Gute einsetzen – und dann tut Gott das Seine dazu.
In diesem Sinne wünsche ich allen Kolpingfamilien Tatkraft – und Gottvertrauen.
Treu Kolping!
Pfarrer Herbert Rochlitz, Präses der Kolpingfamilie Emmendingen


