
„Das Menschenherz bedarf des Trostes und der wahren Freude. Auch die Freude ist ein Almosen, und wahrlich nicht das geringste.“ – Adolph Kolping (VK 1852, S. 124f.)
Viele von uns kennen die Schuhaktion „Mein Schuh tut gut!“. Als Beispiel sei hier die Sammlung der Kolpingsfamilie Mannheim-Zentral erwähnt: „Zur Schuhaktion 2025/26 von Kolping Deutschland konnten insgesamt 131.561 Schuhpaare gesammelt und weiterverwertet werden. Alleine in Mannheim waren wir mit über 60 Umzugskartons dabei und dürften damit die geplanten 1.000 kg überschritten haben“, so Sebastian Fuhrmann, Sprecher des Leitungsteams. Für diesen großartigen Einsatz sagen wir allen Spender*innen und Helfer*innen von Herzen Danke!
Auch wenn diese Aktion nun vom Bundesverband aus Gründen der Rentabilität eingestellt wird, verbindet sie uns ganz direkt mit der Geschichte unserer Kolpingsfamilie: Unser Gründer Adolph Kolping war, bevor er sein Theologiestudium begann, von Beruf gelernter Schuhmacher. Er hat am eigenen Leib die Nöte der einfachen Menschen erfahren. Er wusste aber auch um ihr tiefes Bedürfnis nach Freude. Doch schauen wir hin: In einer damals frisch industrialisierten Welt gründete er keine Schuhfirma, sondern er wollte eine noch tiefere Freude erfahren und schenken – und wurde Priester. Ja, wenn wir Freude schenken, ist das zugleich unsere eigene Freude. Wenn wir sie teilen, vergrößern wir sie ganz im Sinne: Geteilte Freude ist doppelte Freude; geteiltes Leid ist halbes Leid.
Heutzutage leben wir nicht mehr nur in einer industrialisierten Gesellschaft, sondern in einer immer digitalisierteren Welt. Doch keine Digitalisierung der Erde ersetzt die einfache Freude, die aus schlichten Taten der Liebe erwächst – wie einem Almosen oder dem Spenden eines Paars Schuhe. Dennoch sollten wir mit unserer Zivilisation mitgehen, dabei aber nie vergessen: An unserer Seite gehen Menschen, die vielleicht nicht unbedingt neue Schuhe brauchen, sondern viel mehr einen guten Mitmenschen an ihrer Seite.
Schon 1948 sagte Albert Einstein über den technologischen Wandel: „Ich glaube, dass die gravierende Verschlechterung der ethischen Standards in erster Linie auf die Mechanisierung und Entpersonalisierung unseres Lebens zurückzuführen ist; dies ist ein verhängnisvolles Nebenprodukt von Wissenschaft und Technologie.“
Wir müssen also neu nachdenken, um „wahre Freude“ in unserer heutigen Zeit zu schaffen. Ein treffendes Beispiel dafür hat uns nicht nur der selige Adolph Kolping gegeben, sondern schon der am besten ausgebildete Apostel seiner Zeit, der Hl. Paulus. Er schrieb an die Römer: „...gleicht euch nicht dieser Welt an, sondern lasst euch verwandeln durch die Erneuerung des Denkens, damit ihr prüfen und erkennen könnt, was der Wille Gottes ist: das Gute, Wohlgefällige und Vollkommene!“ (Röm 12,2)
Treu Kolping !
Pfarrer Ryszard Dyc,
Kolpingsfamilie MA- Zentral.








